
Kindern abends vorlesen gehört zu den wenigen Dingen im Familienalltag, die fast nichts kosten, kaum Zeit brauchen und trotzdem einen riesigen Unterschied machen. Ich bin Vater von zwei Kindern, fünf und acht Jahre alt, und das abendliche Vorlesen ist bei uns seit Jahren fester Bestandteil des Tages. Nicht weil es in irgendeinem Erziehungsratgeber steht, sondern weil es funktioniert. Die Kinder kommen runter, wir haben gemeinsame Zeit und nebenbei passiert eine ganze Menge im Kopf der Kleinen.
Kurz und knapp: Kindern abends vorlesen fördert Sprachentwicklung, Konzentration und emotionale Bindung. Schon 15 Minuten täglich reichen aus, um nachweislich die Bildungschancen deines Kindes zu verbessern. Das abendliche Vorlesen hilft zusätzlich beim Einschlafen und schafft ein Ritual, das Kinder lieben.
Warum du deinen Kindern jeden Tag vorlesen solltest
Kindern jeden Tag vorlesen klingt nach viel Aufwand. Ist es aber nicht. Eine Viertelstunde am Abend reicht völlig. Die Ergebnisse der Vorlesestudien der Stiftung Lesen zeigen seit Jahren das gleiche Bild: Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, haben einen deutlich größeren Wortschatz, bessere Konzentration und leichtere Einstiege ins Lesen und Schreiben. Eine Studie der Universität Chicago hat gezeigt, dass bereits 20 Monate alte Kinder, denen vorgelesen wird, im Schnitt 131 Wörter mehr kennen als Gleichaltrige ohne Vorleseerfahrung. Mit zwei Jahren liegt der Vorsprung bei 291 Wörtern.
Das sind keine abstrakten Zahlen. Das merkt man im Alltag. Mein Großer hat in der ersten Klasse deutlich weniger Probleme mit dem Lesen gehabt als einige seiner Mitschüler. Nicht weil er besonders begabt ist, sondern weil er seit seinem zweiten Lebensjahr abends Geschichten gehört hat. Kindern abends vorlesen trainiert das Zuhören. Es trainiert, sich auf etwas einzulassen, das länger als 30 Sekunden dauert. In einer Welt voller Kurzvideos und schneller Reize ist das keine Kleinigkeit.
Dazu kommt der emotionale Aspekt. Vorlesen schafft Nähe. Du sitzt mit deinem Kind zusammen, es lehnt sich an dich, ihr teilt eine Geschichte. Kein Bildschirm dazwischen, kein Algorithmus. Das stärkt die Bindung, und zwar messbar. Kinder, denen vorgelesen wird, entwickeln laut Stiftung Lesen auch stärkere soziale und emotionale Kompetenzen. Sie lernen, sich in Figuren hineinzuversetzen, Konflikte nachzuvollziehen und eigene Gefühle einzuordnen.
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Das abendliche Vorlesen als Einschlafritual – so gelingt es
Kindern abends vorlesen funktioniert am besten als festes Ritual. Bei uns läuft das so: Zähneputzen, Schlafanzug, dann ab ins Bett mit einem Buch. Die Kinder dürfen sich aussuchen, was vorgelesen wird. Das ist wichtig, weil es ihnen das Gefühl gibt, mitbestimmen zu können. Und ja, manchmal will mein Fünfjähriger zum achten Mal dieselbe Geschichte hören. Das ist völlig normal. Wiederholung gibt Kindern Sicherheit, und sie nehmen bei jedem Mal neue Details auf.
Die richtige Atmosphäre macht viel aus. Gedimmtes Licht, keine Ablenkung, Handy weg. Wenn du nebenbei auf dein Telefon schielst, merkt dein Kind das sofort. Die Vorlesezeit sollte ein geschützter Raum sein. 15 bis 20 Minuten genügen. Am Abend eignen sich kürzere, ruhigere Geschichten besser als spannende Abenteuer. Aufregende Handlungen halten Kinder wach, weil sie unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht. Bekannte Geschichten oder sanfte Erzählungen helfen dagegen beim Runterkommen.

Wer den Zahnfee Besuch vorbereiten möchte, kann das Vorlesen auch gezielt nutzen, um das Kind auf neue Erfahrungen einzustimmen. Bei uns war es so: Als der erste Wackelzahn kam, haben wir abends Bücher über die Zahnfee gelesen. Das hat die Aufregung in Vorfreude verwandelt und dem Ganzen den Schrecken genommen.
Beim Vorlesen selbst gilt: Langsam lesen, ruhige Stimme, Pausen machen. Du musst kein Synchronsprecher sein. Kinder reagieren auf deine Stimme und deine Nähe, nicht auf eine perfekte Performance. Wenn dein Kind Fragen stellt oder unterbricht, lass es zu. Genau das macht gutes Vorlesen aus. Es ist kein Monolog, sondern ein Gespräch über eine Geschichte.
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Kindern Märchen vorlesen – zeitlos, mutig und lehrreich
Kindern Märchen vorlesen ist ein Thema, das Eltern spaltet. Die einen finden Grimms Geschichten zu brutal, die anderen schwören darauf. Ich gehöre zur zweiten Gruppe, mit einer Einschränkung: Man muss die Märchen altersgerecht auswählen.
Märchen funktionieren, weil sie einfach gebaut sind. Es gibt Gut und Böse, klare Rollen, und am Ende gewinnt meistens das Gute. Für Kinder im Kindergartenalter ist diese Struktur genau richtig. Sie können sich mit dem Helden identifizieren, eigene Ängste auf die Bösewichte projizieren und durch das gute Ende Mut schöpfen. Der Wiener Kinderpsychologe Bruno Bettelheim hat das schon 1976 beschrieben, und es stimmt nach wie vor.

Mein Achtjähriger liebt Märchen. Angefangen hat es mit kurzen, bebilderten Versionen von Rotkäppchen und Hänsel und Gretel. Mittlerweile hören beide Kinder gerne längere Geschichten, auch Hans Christian Andersen oder weniger bekannte Volksmärchen aus anderen Kulturen. Dabei ist es wichtig, auf die Reaktion des Kindes zu achten. Wenn eine Geschichte Angst macht, bricht man ab oder wechselt zu etwas anderem. Kein Kind muss sich durch eine Geschichte quälen.
Für den Einstieg eignen sich Sammlungen, die die Originaltexte in eine zeitgemäße Sprache übertragen und mit Bildern arbeiten. Vorlesebücher als Zahnfee Geschenk sind übrigens eine schöne Idee, wenn der erste Milchzahn gefallen ist. Statt Geld oder Spielzeug gibt es dann ein Buch, das gleich am selben Abend gemeinsam gelesen werden kann. Moderne Märchenadaptionen wie die Kamishibai-Erzählkarten sind ebenfalls einen Blick wert, besonders für jüngere Kinder, die noch stark auf Bilder reagieren.
Kindern Englisch vorlesen – spielerisch die zweite Sprache entdecken
Kindern Englisch vorlesen ist ein Trend, der in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Viele Eltern möchten ihre Kinder früh an eine zweite Sprache heranführen. Das kann funktionieren, aber es gibt ein paar Dinge zu beachten.
Der wichtigste Punkt: Englisch vorlesen allein reicht nicht aus, um ein Kind bilingual zu erziehen. Dafür bräuchte es eine Bezugsperson, die konsequent in der Fremdsprache kommuniziert. Was englische Vorlesebücher aber sehr wohl leisten, ist ein spielerischer Erstkontakt mit der Sprache. Kinder entwickeln ein Gefühl für den Klang, lernen einzelne Wörter und Phrasen und verlieren die Scheu vor einer fremden Sprache.
Bilinguale Bilderbücher sind dafür am besten geeignet. Es gibt Ausgaben, die den deutschen und den englischen Text nebeneinanderstellen. So versteht das Kind die Geschichte und nimmt gleichzeitig die englischen Begriffe auf. Bei uns läuft das meist so, dass ich eine Seite auf Deutsch lese und die gleiche Stelle dann kurz auf Englisch wiederhole. Mein Großer findet das mittlerweile richtig gut und fragt manchmal nach einzelnen Wörtern.
Ab welchem Alter das Sinn ergibt, hängt vom Kind ab. Wenn es in der Muttersprache sicher ist und Interesse zeigt, kann man es ab drei oder vier Jahren versuchen. Zwang ist kontraproduktiv. Wenn das Kind kein Interesse hat, lässt man es bleiben und probiert es später noch einmal. Gerade abends, wenn Kinder müde sind, sollte die Vorlesezeit nicht zum Sprachkurs werden. Die Geschichte und das gemeinsame Erlebnis stehen immer an erster Stelle.
Kindern vorlesen als Ehrenamt – wie du auch fremden Kindern eine Freude machst
Kindern vorlesen als Ehrenamt ist eine Möglichkeit, die viele nicht auf dem Schirm haben. Dabei ist der Bedarf groß. Laut Stiftung Lesen wird fast einem Drittel aller Kinder in Deutschland selten oder nie vorgelesen. Das hat direkte Auswirkungen auf ihre Bildungschancen.
Initiativen wie die Lesefüchse in München oder LeseWelten in Köln organisieren ehrenamtliche Vorlesestunden in Kitas, Grundschulen und Bibliotheken. Die Stiftung Lesen koordiniert den jährlichen Bundesweiten Vorlesetag und bietet auf ihrer Webseite kostenlose Schulungen für freiwillige Vorleser an. Der Einstieg ist unkompliziert: Man meldet sich bei einer lokalen Initiative an, bekommt eine kurze Einführung und liest dann regelmäßig einer kleinen Gruppe Kinder vor. Oft einmal pro Woche, etwa 30 bis 45 Minuten.

Ich habe das selbst einmal in der Kita meines Sohnes gemacht, als Vorlesepate bei einem Aktionstag. Die Reaktion der Kinder war beeindruckend. Besonders die, denen zu Hause niemand vorliest, hängen an deinen Lippen. Für sie ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas Besonderes. Man braucht dafür keine pädagogische Ausbildung. Man muss lesen können, Lust auf Geschichten haben und bereit sein, sich regelmäßig Zeit zu nehmen.
Wer zeitlich eingeschränkt ist, kann auch am Bundesweiten Vorlesetag teilnehmen, der jedes Jahr im November stattfindet. Ein einzelner Termin, kein dauerhaftes Engagement, aber eine gute Möglichkeit, auszuprobieren, ob ehrenamtliches Vorlesen etwas für einen ist.
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Häufig gestellte Fragen
Ab wann sollte man Kindern abends vorlesen?
Bildungsforscher empfehlen, bereits ab drei Monaten mit dem Vorlesen zu beginnen. Babys verstehen den Inhalt noch nicht, profitieren aber von der Stimme, der Nähe und dem Sprachrhythmus. Ab etwa einem Jahr kann man mit einfachen Bilderbüchern starten, und ab zwei Jahren verstehen Kinder bereits kurze Geschichten.
Wie lange sollte man Kindern abends vorlesen?
15 bis 20 Minuten sind ein guter Richtwert. Manche Kinder wollen mehr, andere sind nach zehn Minuten zufrieden. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Jeden Abend eine kurze Geschichte bringt mehr als einmal pro Woche eine Stunde.
Was eignet sich am besten zum abendlichen Vorlesen?
Am Abend sind ruhige, kürzere Geschichten besser als spannende Abenteuer. Bekannte Geschichten, die das Kind schon kennt, helfen beim Einschlafen. Für tagsüber eignen sich dagegen neue, anspruchsvollere Bücher, bei denen das Kind voll dabei ist.
Bis zu welchem Alter sollte man Kindern vorlesen?
So lange wie möglich. Experten empfehlen, mindestens bis zum Ende der Grundschulzeit vorzulesen. Auch wenn Kinder selbst lesen können, ist eigenständiges Lesen anfangs anstrengend. Vorgelesene Geschichten bleiben deutlich reichhaltiger als das, was ein Erstleser selbst bewältigen kann.
Kann man Kindern abends auch auf Englisch vorlesen?
Ja, sofern das Kind Interesse zeigt und die Muttersprache gefestigt ist. Bilinguale Bilderbücher mit deutschem und englischem Text eignen sich gut als Einstieg. Das Vorlesen auf Englisch sollte aber kein Ersatz für die Gute-Nacht-Geschichte auf Deutsch sein, sondern eine Ergänzung.